Das Backbuch zum Plätzchen-Talk kommt!

Fotocollage: - Abgedeckter, ruhender Hefeteig auf der Satzbank - Kleine und große Gugelhupfe auf einem Abkühlgitter - Fotograf Bernhard Rosa macht Fotos von Muffin von oben. Darunter der Text: Das Backbuch zum Plätzchen-Talk kommt!

Seit Wochen sind bin ich in den Vorbereitungen für das Backbuch zum Plätzchen-Talk. Unsere Gäste haben uns ihre Lieblingsrezepte verraten und in der letzten Woche wurden alle 21 Rezepte probegebacken. Am Samstag fand dann das große Fotoshooting mit dem Food-Fotografen Bernhard Rosa statt. Ich nehme euch hier mit auf einen kleinen Rückblick auf die letzten Monate.

Inhaltsverzeichnis

Wieso überhaupt ein Backbuch?

Im Oktober haben Steve Weidel und ich den Plätzchen-Talk ins Leben gerufen. Unsere Idee war ein Online-Austausch rund um das Thema Barrierefreiheit in gemütlicher Atmosphäre. Wir wollten einen virtuellen Raum schaffen, in dem man bei einer Tasse Kaffee und einem Plätzchen entspannt über Barrierefreiheit spricht.

Das Format war ebenfalls von Anfang an klar:

Einmal im Monat von 16-17 Uhr laden wir zwei Expert*innen in den Plätzchen-Talk ein. Jeder Gast hat 20 Minuten für sein Thema Zeit. Wie die 20 Minuten gestaltet werden, bleibt jedem Gast selbst überlassen. In den vergangenen Monaten haben unsere Gäste mit uns diskutiert, uns Barrieren suchen lassen und uns Einblicke in ihre Arbeit gegeben.

Mit der Community des Plätzchen-Talks haben wir diskutiert und nachgefragt. Das alles fand über eine Zoom-Videokonferenz statt. Und fast jeder Talk begann mit der Frage: „Habt ihr auch ein Plätzchen mitgebracht?“ Denn zusammen knuspert es sich einfach besser.

Daher war auch klar, dass wir jeden Gast nach seinem Lieblingsrezept gefragt haben. Über die Monate ist eine bunte Mischung aus Plätzchen-, Muffin-, Kuchen- oder Waffelrezepten zusammengekommen. Der Wunsch von mir war immer, das aus dem Plätzchen-Talk und der Community ein gemeinsames Backbuch entsteht.
Dieses sollte immer mehr sein, als nur eine Rezeptsammlung: Es sollte auch noch einmal von jedem Gast erste Tipps geben, wie man einen ersten Schritt in Richtung Barrierefreiheit geht. Denn oft ist der erste Schritt der schwierigste.
Und dann mussten wir natürlich auch die Frage klären, wie wir das Backbuch selbst möglichst barrierefrei bekommen: Wie können es blinde Teilnehmende nutzen? Was hilft neurodivergenten Menschen? Wie müssen wir es gestalten, damit es auch für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gut nutzbar ist? Eine spannende Reise begann, auf der wir uns aktuell immer noch befinden.

Rezepte vereinheitlichen

Ausdruck eines Brownie-Rezepts. Darauf ein Kulli und ein Textmarker.

Nachdem ich also 21 Rezepte unserer Gäste gesammelt hatte, musste ich diese erst einmal sichten. Teilweise waren diese Rezepte in einem Comic-Stil. Dann gab es sehr kurz und knappe Rezepte, dann handschriftliche von Oma. Einige lagen als Textdokument vor, andere waren eingescannt. Die erste Aufgabe war daher zunächst, alle Einreichungen in ein digitales Textdokument zu überführen.

Im nächsten Schritt habe ich den Inhalt geprüft:

  • Wie werden die Lesenden angesprochen?
  • Wird jeder Schritt erklärt oder gibt es versteckte Arbeitsschritte?
  • Sind die Zutaten einheitlich dargestellt?
  • Wie sollen die Rezepte dargestellt werden? Als Fließtext oder in nummerierten Arbeitsschritten?

Ich musste mir also Redaktionsrichtlinien überlegen, die ich auf alle Rezepte anwenden konnte. Diese Redaktionsrichtlinien musste dabei verschiedene Bedürfnisse berücksichtigen:
Während ich selber die Lesenden gerne geduzt hätte und mir eine Wohlfühl-Atmosphäre wie beim Plätzchen-Talk gewünscht hätte, war das bei den Rezepten nicht förderlich. Die Rezepte wurden dadurch zu lang. Dies war zum einen problematisch für den Preis. Denn wer kauft nachher ein Backbuch, das 20 Euro pro Stück kostet? Und auch für einige Menschen der Zielgruppe wäre zu viel Text überfordernd gewesen. Natürlich hätten wir gerne jeden Arbeitsschritt mit einem Foto begleitet, aber das war aus Platz- und Kostengründen nicht möglich.

In Absprache mit der Mediendesignerin Corinna Häufle (Webseite von Corinna Häufle) haben wir im ersten Design festgelegt: Jedes Rezept bekommt eine Doppelseite. Wir mussten aber ziemlich schnell merken, dass das nicht ausreicht.

Einmal roasten bitte!

Um das Projekt einer Community vorzustellen, habe ich einen ersten Design-Entwurf von Corinna mit meinen Möglichkeiten nachgebaut und zum Barcamp Digitale Barrierefreiheit mit nach Tübingen genommen. Das Proberezept hatte folgende wesentliche Merkmale:

  • QR-Code zu einer Webseiten-Version, damit auch blinde Nutzende das Rezept mit Screenreader lesen können
  • Prompt, damit das Rezept individuell mit KI angepasst werden kann
  • Beim Rezept selbst werden zunächst alle Zutaten gelistet. Dann folgen nummerierte Arbeitsschritte. Bei jedem Arbeitsschritt werden zunächst die Zutaten für diesen Schritt genannt. Benötigte Geräte werden optisch hervorgehoben.

Durch die Rückmeldungen beim Barcamp wurde schnell klar: 2 Seiten pro Rezept sind nicht ausreichend. Die Abstände sind zu gering. Man verliert den Überblick. Zudem haben wir von Serena Scigliano den guten Tipp für die barrierefreie Schrift Atkinson Hyperlegible Next bekommen. Natürlich kam auch noch einiges mehr an Feedback zurück. Es war für mich schon besonders, das Projekt „Backbuch Plätzchen-Talk“ von Barrierefreiheits-Experten „roasten“ zu lassen. Grundsätzlich möchte ich mich aber bei allen bedanken, die sich so engagiert eingebracht haben. Denn durch all eure Rückmeldungen wird dieses Buch einfach nur besser und für viel mehr Menschen nutzbar. Und genau das ist ja das Ziel dieses Backbuchs.

Raum mit rund 15 Personen beim Barcamp Digitale Barrierefreiheit in Tübingen. Katrin zeigt über einen Beamer Details zum Plätzchen-Talk.

Ein Backbuch in 3 Teilen

Was fängt ein blinder Gast mit einem gedruckten Backbuch an? Nichts! Und darum war von Anfang an klar, dass wir die Rezepte auch noch in anderen Formaten zugänglich machen müssen. Klar war immer: es wird eine digitale Version auf meiner Webseite geben. Hier habe ich zudem auch noch unendlich Platz, um weitere Hilfestellungen zu geben. Hier ist genug Platz, um benötigte Geräte besser zu listen. Hier können Fachbegriffe oder Vorgänge ausführlich beschrieben werden. Der Grundsatz aus der Barrierefreiheit, Informationen auf mindestens 2 Arten anzubieten, führt auch hier dazu, dass viel mehr Menschen profitieren. Denn auch ungeübte Bäcker können so weitere Informationen erhalten.

Zu Beginn hatte ich auch überlegt, eine Hörversion einzusprechen. Denn wir wissen ja alle, dass der Screenreader nicht ganz so attraktiv klingt. Ich wollte, dass die Hörvariante mindestens genauso viel Spaß macht, wie das gedruckte Buch. Experte Stephan Jakobs (Webseite von Stephan Jakobs) machte mich auf das DAISY-Format aufmerksam. Hierfür hätte ich alle Rezepte eingesprochen und Unterstützung erhalten, um alle Rezepte mit DAISY-Tags zu versehen. Diese Tags hätten dafür gesorgt, dass man in der Hörvariante besser navigieren kann. Allerdings hat mir die Community zurückgemeldet, dass das DAISY-Format von jüngeren Menschen nicht mehr groß genutzt wird. Mit Unterstützung von Thomas Matić von Inkluship setze ich gerade einen Prompt auf, mit dem mit der KI des Vertrauens das jeweilige Rezept individuell erarbeitete werden kann. Denn manche brauchen das Rezept noch detaillierter erklärt, andere brauchen andere Mengenangaben und wieder andere wünschen sich vielleicht ein Bild.

Das gedruckte Backbuch enthält also einen QR-Code, mit dem man zur detaillierten Webseiten-Variante kommt. Hier gibt es zu jedem Rezept einen Prompt, mit dem man das Rezept weiter personalisieren kann, damit die Rezepte von möglichst vielen Menschen genutzt werden können.

Wann gibt es das Backbuch und was wird es kosten?

Ab September soll das Backbuch vorbestellbar sein. Geplant ist, das Vorbesteller bis Ende September einen Vorzugspreis erhalten. Anfang Oktober wird das Buch dann gedruckt und an die Vorbesteller ausgeliefert. So ist es pünktlich zur Vorweihnachtszeit in den Küchen angekommen.

Wer sich erst später zu einer Bestellung entschließt, kann das gerne tun. Hier sammele ich die Bestellungen bis Anfang November und lasse dann noch einmal drucken. Das Backbuch ist natürlich auch ein tolles Kundengeschenk zu Weihnachten und darum ist es mir wichtig, dass es rechtzeitig bei allen Bestellern ankommt.

Der Preis liegt noch nicht endgültig fest, da die Rezepte gerade noch eingepflegt werden. Aktuell rechne ich mit einem Preis von 13-16 Euro pro Stück. Eine offizielle Preisliste folgt. Und den Kunden aus der Schweiz oder Österreich komme ich gerne entgegen: Für die Vorbesteller werden ich an einem Tag nach Österreich und in die Schweiz fahren, damit sie von günstigeren Versandpreisen profitieren können. Vorbestellen lohnt sich also!

Bernhard Rosa macht Profi-Fotos von Muffins. Um den Tisch stehen diverse Lampen für eine optimale Ausleuchtung.

Alles nichts ohne Sponsoren

Kaum einer kann sich vorstellen, wie viel Arbeit in diesem Backbuch steckt. Arbeit, die auch ihren Preis hat. Nehmen wir an, ich würde meine Arbeitszeit voll berechnen und nehmen wir nur einmal die Woche an, in der ich täglich 5 Stunden gebacken habe, damit wir Fotos für das Backbuch haben. Und nehmen wir an, ich würde 80 Euro pro Stunde Arbeitszeit berechnen. Dann wären hierfür 2.000 Euro kosten entstanden. Und nehmen wir an, wir würden nur 100 Backbücher verkaufen. Dann müsste jedes Backbuch 20 Euro mindestens kosten. Nicht berücksichtigt sind hier die Materialkosten, die Kosten für die Freelancer, die Erstellung der Webseiten oder die Versandkosten. Das Backbuch würde sehr teuer. Und dann würde es keiner nutzen.

Und darum bin ich sehr dankbar, dass sich bereits einige Sponsoren gefunden habe, ohne die das Projekt so nicht möglich wäre. Vielen Dank, dass ihr das Projekt unterstützt und es so mehr Menschen zugänglich macht:

Logo barrierefreie-webseiten.at
Logo distriko
Logo allyy by default
Logo IAAP DACH
Logo InkluShip
Logo e-dvertising.at
Logo Allgäuer Gewürzmanufaktur
Logo ideenquelle webdesign
Logo von Cigarsauerkraut

Und falls du das Projekt ebenfalls als Sponsor unterstützen möchtest, dann schreib mir gerne. Wir nehmen dein Logo für 150 Euro auf der Sponsorenseite im Backbuch auf.

Katrin steht hinter einem Stück Mauer. Ihre Arme hat sie auf der Mauer verschränkt. Sie trägt eine dunkelblaue Bluse mit Stehkragen. Sie lacht. Ihr Blick geht seitlich nach oben.

Katrin Nägele

Katrin Nägele ist Übersetzerin für Einfache und Leichte Sprache. Zusammen mit ihrem Team setzt sie sich für gut verständliche Texte am Bodensee ein.

Kontakt