Einige Fakten zum Technorama
Simone Russi arbeitet seit über 3 Jahren im Technorama und nennt uns erst einige Fakten:
- An Spitzentagen hat das Museum über 3.000 Besuchende
- Rund 140 Mitarbeiter arbeiten im Museum
- Es gibt 3 verschiedene Laborbereiche, die von Besuchergruppen genutzt werden, aber auch während des regulären Betriebs von Einzelpersonen besucht werden können.
- Jeden Tag werden 2 Shows veranstaltet.
Uns allen wurde klar, dass das Technorama täglich viele Menschen zu Gast hat und sich darum auf sehr unterschiedliche Bedürfnisse einstellen muss. Simone arbeitet seit 3,5 Jahren mit einer 40% Stelle beim Techonorama. Ihre Aufgabe ist es, die Zugänglichkeit des Museums für alle Menschen zu verbessern. Dazu hat sie zu Beginn ihrer Arbeit einen Maßnahmenplan erarbeitet, der unter anderem folgende Bereiche umfasst:
- Bauliche Maßnahmen,
- Inhaltliche Maßnahmen und
- Einbezug der Mitarbeitenden
Simone fragt sich zuerst: Was existiert schon an Barrierefreiheit und was können wir noch besser machen?
Baulliche Maßnahmen
Im ersten Jahr von Simones Tätigkeit konnte durch vorhandene Gelder einige teurere Umbauten und Anschaffungen getätigt werden. So verfügt das Technorama nun neben einer Karrusselltüre auch über eine Automatiktür, so dass jedem der Zugang möglich ist. Es wurden auch Evakuierungsstühle angeschafft, um Menschen im Brandfall retten zu können, wenn der Aufzug nicht zu nutzen ist.
Ebenso gibt es nun Bodenleitstreifen bis zum Eingang des Technorama. Simone hat aber ehrlich erzählt, dass der Weg vom Bahnhof Winterthur zur Bushaltestelle nicht so einfach für Menschen mit Behinderung ist. Erst ab der Haltestelle Technorama wird es leichter.
Anpassungen bei den Exponaten
Hier sind es oft schon kleine Dinge, die die Ausstellungsstücke zugänglicher für viele machen. So hängen Mitmachelemente nicht mehr auf Schulter- sondern auf Hüfthöhe und sind so besser erreichbar.
Markierungen an den Exponaten sind nun nicht nur über die Farbe, sondern auch über die Form unterscheidbar.
Bereitstellung von Informationen
Auf der Webseite werden alle Informationen zur Barrierefreiheit als Liste erfasst. Diese Liste ist alphabetisch sortiert, so dass sich jede Person zu ihren persönlichen Einschränkungen informieren kann.
Simone betonte, dass sie die Informationen extra nicht nach Behinderungsart unterteilen, weil Behinderungen vielschichtig sind und sie keine Vorauswahl für die Besucher treffen wollen. So entscheidet jede Person selbst, welche Informationen für sie wichtig sind.
In der Schweiz gibt es zudem die Ginto-App. Über diese App wird die Zugänglichkeit von Orten erfasst und so können sich die Besucher vorab gut informieren. In der App kann jede Person selbst festlegen, was sie angezeigt bekommen möchte, also beispielsweise auch Orte, die nur über eine Treppe erreicht werden können.
Inhaltliche Maßnahmen
Simone und ihr Team haben sich gefragt, wie sie Wissen für die verschiedenen Beeinträchtigungen wie Sehbehinderung, Hör- oder Lerneinschränkung oder Neurodivergenz vermitteln können. Gerade die Zugänglichkeit für Menschen mit Sehbehinderung ist am schwierigsten. Simone berichtete, dass viele blinde Besucher*innen das Technorama gemeinsam mit einer Begleitperson besuchen. Mit einer Begleitperson ist das Technorama für blinde Personen besser erlebbar. Eine teilnehmende Person sprach sich dafür aus, dass Konzepte für Barrierefreiheit auch so geschrieben werden können, dass sie von Anfang an eine Begleitperson berücksichtigen.
Im Technorama nutzt Simone oft NaviLens-Codes. Die Codes sind erweiterte QR-Codes, die extra für blinde Menschen entwickelt wurden. Diese Codes werden auch dann erkannt, wenn man sie nicht exakt einscannt oder direkt davorsteht. Über diese Codes können sich die Besuchenden Beschreibungen an den Stationen anhören, so dass sie wissen, was sie dort machen können. Mit den Codes kann man sich zusätzlich an bestimmte Orte führen lassen, was jedoch aktuell leider noch nicht immer sauber funktioniert.
Umgang mit Hörbehinderung
Um Menschen mit Hörbehinderung mehr Teilhabe zu ermöglichen, wurde das Team darauf sensibilisiert, für die Kommunikation mit Menschen mit Hörbehinderungen Orte aufzusuchen, die gut beleuchtet sind So ist ihr Mundbild besser zu erkennen. Zusätzlich nutzt das Technorama auch für Taube Menschen NaviLens-Codes. Über diese stehen Videos in Gebärdensprache zur Verfügung. Für die Shows testet das Team bald Accessify. Dieses Tool bietet nach eigener Angabe folgende Möglichkeiten: „Wir streamen Event-Audio direkt auf Hörhilfen, Kopfhörer und Cochlea-Implantate und bringen Live-Transkripte aufs Smartphone, auf Wunsch auch mit Echtzeit-Übersetzung in 30+ Sprachen. Ohne App-Download, ohne Login, einfach per QR-Code.“
Unterstützung mit METACOM Symbolen
An vielen Stationen im Technorama gibt es auch Anleitungen mit METACOM Symbolen. Simone und ihr Team haben festgestellt, dass diese Anleitungen nicht nur von Menschen gern genutzt werden, die Unterstützte Kommunikation brauchen, sondern auch von solchen, die sonst gerne Leichte Sprache-Texte nutzen.
Für Nutzende der Unterstützten Kommunikation gibt es am Eingang die Möglichkeit, ein Kommunikationsbuch auszuleihen. Dieses enthält die wichtigsten Symbole und Informationen zum Museum. Das Kommunikationsbuch kann auch in den eigenen Talker geladen werden.
Weitere Maßnahmen für mehr Teilhabe im Technorama
Das Technorama bietet ausführliche Informationen auf seiner Webseite, was die Besuchenden im Technorama erwartet. Zudem kann man sich am Eingang eine Sensory Bag ausleihen, wenn man beispielsweise die eigenen Hilfsmittel zur Konzentrationsfähigkeit vergessen hat. Die Besuchenden können sich auch ein Sunflower Lanyard abholen, um auf unsichtbare Behinderungen aufmerksam zu machen. Die Mitarbeitenden sind entsprechend geschult.
In den nächsten Jahren wird das Technorama umgebaut. Eingeplant ist dann ein Ruheraum und die Themenbereiche werden räumlich besser getrennt.
Es gibt viele Ansatzmöglichkeiten um Barrierefreiheit umzusetzen. Im Technorama hat Simone den Schwerpunkt auf die Exponate und das Erlebnis gesetzt.
Sehen wir uns im Technorama?
Simone freut sich, wenn sie uns mit ihrem kurzen Einblick zur Barrierefreiheit im Technorama für das Science Center begeistern konnte. Falls wir vorbeikommen wollen, hat sie einen kleinen Geheimtipp für uns: Sonntagvormittag ist es meistens etwas leerer!
Simone hat uns gezeigt, dass Barrierefreiheit aus vielen kleinen Maßnahmen besteht. Oft sind es nicht die großen Umbauten, sondern gut durchdachte Informationen, geschulte Mitarbeitende und kleine Anpassungen, die den Museumsbesuch für viele Menschen angenehmer machen.
Mehr Infos zum Technorama unter Was ist das Technorama? – Swiss Science Center Technorama
Vernetzt euch gerne mit Simone Russi bei LinkedIn.
Für alle Interessierten hier auch noch einmal Simones Präsentation als PDF:




