Rückblick auf den Plätzchen-Talk im Februar 2026

Zu Gast im Plätzchen-Talk im Februar 2026: - Olivia Richter lässt uns Barrieren spielerisch erleben - Markus Paulußen stellt uns Bielefeld barrierefrAI vor: Wie KI Informationen zu Barrierefreiheit zur Verfüguung stellt.

Inhaltsverzeichnis

Ihr habt es sicher gemerkt: Wir haben den Talk rund um digitale Barrierefreiheit mit einem neuen Design gestartet und wollen uns an dieser Stelle ganz herzlich bei Leonie Theissen bedanken (schaut unbedingt auf ihrer Webseite nach mehr Infos: Webseite von Leonie Theissen).
Wir haben nun ein krümmelndes Plätzchen als Logo, das zugleich auch ein bisschen an eine Gedankenblase erinnert. Denn wir garantieren euch, dass ihr nach jedem Talk mit einer Fülle neuer Ideen und Infos in den Abend geht.

So auch bei unserem Talk im Februar, bei dem wir mit Olivia Richter Barrieren spielerisch erleben durften. Und bei dem uns Markus Paulußen gezeigt hat, wie Bielefeld KI nutzt um Informationen zur Barrierefreiheit zur Verfügung zu stellen. Die Kontaktdaten der beiden finden ihr wie immer am Ende des Beitrags.

Wir sind sehr dankbar für alle Menschen, die Steve Weidel und ich mit unseren Gäst*innen bisher für unser Format begeistern durften. Waren wir im Dezember noch rund 15 Personen im Plätzchen-Talk, so waren es im Februar schon 35. Vielen Dank, dass ihr dieses Format so feiert und so offen für die vielen unterschiedlichen Themen seid. Wenn ihr selbst gern zu Gast sein oder uns jemanden empfehlen möchtet, dann schreibt uns gerne!

Barrieren spielerisch erleben

Olivia hat uns einen wahren Blumenstrauß an unterschiedlichen Spielen rund um digitale Barrierefreiheit mitgebracht. Dabei unterscheidet sie 3 Gruppen:

  • Spiele über digitale Barrierefreiheit
  • Spiele, die Behinderungen simulieren
  • Lernspiele zu digitaler Barrierefreiheit

Spiele über digitale Barrierefreiheit

Zur ersten Gruppe gehören Barrierien, Hocus :focus und Accessibility Maze. Barrierien ist ein von Olivia selbst entwickeltes Spiel und ähnelt einer Art Escape Game. Es ist spielbar mit Screenreader, Tastatur und anderen assistiven Technologien sowie Hörbehinderung. Mir gefällt Olivias Ansatz sehr gut, denn hier werden einmal die Rollen getauscht: Du kannst das Spiel ohne assistivie Technologien nicht gewinnen. Als Mensch ohne Behinderung bist du bei dem Spiel also eher im Nachteil. Eine spannende Erfahrung.

Hocus : focus ist gut mit den bereits genannten Behinderungen spielbar. Accessibility Maze funktioniert leider nicht über Tastatursteuerung oder Screenreader. Wenn du selbst spielen möchtest, findest du die Spiele hier:

Spiele, die Behinderung simulieren

Aber wie fühlt es sich eigentlich an, die Welt mit einer Behinderung zu erleben? Wie ist es denn, wenn man eigentlich nur eine Fahrkarte kaufen möchte, aber das Sichtfeld beispielsweise stark eingeschränkt ist? Hier empfiehlt Olivia die Spiele von der Woche des Sehens. Ich habe selbst schon die Spiele dort gespielt und kann dir nur empfehlen, es selbst auszuprobieren, wenn du nicht von Seheinschränkungen betroffen bist. Du denkst vielleicht, dass nur der Fahrkartenautomat das Problem ist, aber es geht um so viel mehr.

Du findest dich viel schlechter zurecht. Du rempelst andere Menschen an. Du bekommst Sprüche zu hören wie „Bist du blind, oder was?“ Dein Problem ist nicht nur das Ticket. Ich finde, dass die Spiele sehr gut verdeutlich, dass eine Behinderung mehrere Dimensionen hat. Auch Markus geht in seinem Beitrag später darauf ein.

Ein Spiel rund um psychische Erkrankung ist Beyond the chalkboard. Hier möchtest du studieren und erfährst in dem Spiel sehr eindrücklich, dass dein Kopf manchmal ganz andere Dinge macht. Du willst eigentlich etwas anderes tun, aber es geht einfach nicht. Gerade psychische Erkrankungen werden oft nicht ganz ernst genommen und darum finde ich es toll umgesetzt, dass man hier spielerisch erleben kann: Man hat eigentlich einen Plan, aber das Leben ist anders.

Lernspiele zu digitaler Barrierefreiheit

Bei den Lernspielen geht es darum, spielerisch Barrierefreiheitsregeln umzusetzen. Bei a11yphant lernst du barrierefreies Coding.

Bei Olivias Adventskalender sind sehr viele Barrieren versteckt und du kannst versuchen, alle 24 Barrieren zu entdecken. Wenn du nicht alle finden solltest, ist das kein Problem: Ganz unten auf der Seite stellt Olivia die Lösungen zur Verfügung. Das Besondere am Adventskalender: Laut automatischen Prüftool ist die Seite komplett barrierefrei. Und doch gibt es Buttons, die man nicht sieht. Oder Animationen, die sich nicht so einfach abstellen lassen. Automatische Prüftools finden also nicht alle Barrieren und Olivias Adventskalender sensibilisiert hervorragend, beim Testen einer Seite auf Barrierefreiheit gewisse Punkt nicht zu vergessen. Egal, was das Prüftool sagt. Und mehr verrate ich an dieser Stelle nicht!

Bielefeld barrierefrAI

Nachdem wir uns warm gespielt haben tauchen wir mit Markus in eine Welt ein, in der Informationen zu Barrierefreiheit mit KI zur Verfügung gestellt werden. In Bielefeld hat Markus diese Idee bereits umgesetzt und wir würden uns sehr freuen, wenn viele weitere Städte und Gemeinden dazukommen

Worum geht es bei barrierefrAI?

Eine Bekannte hat Markus auf die Idee zu dieser künstlichen Intelligenz gebracht. Sie meidet oft Orte, die sie nicht kennt, da ihr Informationen fehlen. Zum Beispiel:

  • Gibt es dort eine Toilette für Menschen mit Behinderung?
  • Kann mir jemand bei Schwierigkeiten helfen? Wie erreiche ich diese Person?
  • Wo ist der behindertengerechte Eingang?

Anders waren ihre Erfahrungen bei einem Besuch in London. Hier wurden ihr vor ihrem Besuch bereits alle notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt. Und so kam Markus auf die Idee: Könnte man nicht einfach alle Informationen zur Barrierefreiheit eines Ortes (Geschäft, Kino, Museum usw.) sammeln und über eine KI zur Verfügung stellen?

Markus ist daraufhin mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen durch die Bielefeld gegangen. Sie sind Experten und wissen bereits, wo sich der behindertengerechte Eingang oder ähnliches befindet. Aber es gibt keine Stelle, die diese Infos bündelt. Markus sammelt in Gesprächen und Begehungen dieses Wissen in Form von Tonaufnahmen/Interviews. Diese werden für die Datenbank in Text umgewandelt. Die KI kann nun auf dieses Wissen zugreifen. Sie beantwortet individuell Fragen per Spracheingabe auf der Webseiteneinbindung, per Telefon, gegebenenfalls mittels einer geografischen Karte oder mit Gebärden-Avatar.

Die KI kann angepasst werden:

  • Sprache ist wählbar (Fremdsprache oder auch Einfache/Leichte Sprache)

  • Kategorie (Um welche Art der Behinderung handelt es sich?)

  • Standort (Wo wird Hilfe gebraucht: Bahnhof/Alter Markt usw.)

Der Bot stellt auch Rückfragen und kann aufgrund der Datenbank Tipps geben wie „Wenn du mit dem E-Rolli unterwegs bist, empfehle ich dir, nicht links um den Bahnhof zu fahren. Der Weg rechts um den Bahnhof ist für Rolli-Fahrer einfacher.“

Die KI kann unterschiedlich erreicht werden:

  • Ich kann die Webseite nutzen, in der sie eingebunden ist.
  • Voice-Chat per Telefon: Man kann die KI auch anrufen und die Infos „mündlich“ erhalten. Die Datenbank wird dann dynamisch per Voice-Chat durchsucht.
  • Über QR-Code

Die Halluzinationen hat Markus dadurch eingeschränkt, indem er präzises Wissen trainiert. Mit einer anderen KI wird beispielsweise der Inhalt der Ausgabe geprüft und die KI lernt aus den gefundenen Fehlern.

Die anwesenden Plätzchen-Talker waren begeistert:
Die KI bündelt echtes Insider-Wissen von Experten in eigener Sache und stellt sie vielfältig zur Verfügung. Die Informationen können angepasst an den Menschen abgerufen werden. Und dabei geht es nicht nur um Behinderungen in der klassischen Denkweise: Die KI stellt die Informationen in verschieden Sprachen zur Verfügung und ist durch die unterschiedlichen Zugänge auch Senioren eine große Hilfe.

Alte PDFs barrierefrei per KI

Markus hat noch ein weiteres KI-Produkt. Unter barrierefrAI – Agents kann ein bestehendes PDF in ein barrierefreies PDF UA umgewandelt werden. Bei der Transkribierung wird zunächst ein HTML-Dokument erstellt (barrierefrei) und dieses wird in PDF UA Dokument umgewandelt. Für blinde Personen sind so alle Inhalte vorhanden und zugänglich. Das Dokument ersetzt also nicht das ursprüngliche Dokument. Es stellt eine Alternative dar. Es ist ein reines Text-PDF. Die KI fasst beispielsweise Tabellen zusammen, so dass man deren Inhalte im Text gut verstehen kann. Die Tabelle selber kommt im transkribierten Dokument nicht mehr vor.

Es wurde gefragt, ob die KI die Lesereihenfolge beachtet oder die Bilder im Kontext richtig einordnet. Markus: „Wir müssen lernen, mit KI Optimierungen durchzuführen.“ Er nutzt eine andere KI, die das Original mit dem Transkript vergleicht und die übersetzende KI bei Fehlern um Nachbesserung bittet.

Der Vorteil dieser Variante: Alle Informationen sind barrierefrei vorhanden und die KI erledigt eine Arbeit von vielen Stunden in Minuten. Das Ergebnis ergänzt das vorhandene PDF und ersetzt es nicht.

Kontakt zu Olivia und Markus

Olivias Kontaktdaten und ihre Präsentation findet ihr unter Olivia Richter Ideenquelle Webdesign
Markus Paulußen erreicht ihr über Markus Paulußen barrierefrAI.

Katrin steht hinter einem Stück Mauer. Ihre Arme hat sie auf der Mauer verschränkt. Sie trägt eine dunkelblaue Bluse mit Stehkragen. Sie lacht. Ihr Blick geht seitlich nach oben.

Katrin Nägele

Katrin Nägele ist Übersetzerin für Einfache und Leichte Sprache. Zusammen mit ihrem Team setzt sie sich für gut verständliche Texte am Bodensee ein.

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