Das Barcamp Digitale Barrierefreiheit geht in die zweite Runde

Barcamp Digitale Barrierefreiheit. Save the date 26.06.2026

Inhaltsverzeichnis

Im Februar 2025 fand das Barcamp Digitale Barrierefreiheit das erste Mal am Bodensee statt

Bei Ruben Rhensius las ich 2024 zum ersten Mal über ein Barcamp zur Leichten Sprache. „Warum ist das so weit weg?“, dachte ich. Und: „Ich will so etwas auch am Bodensee!“

Und wenn man eine Idee hat, dann sucht man sich Menschen, die diese Idee unterstützen.
Da im Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) in Kraft trat, war das Thema Barrierefreiheit im digitalen Raum auch für viele Firmen interessant. Besonders betroffen sind Unternehmen, die Produkte online direkt an Kunden verkaufen. Ab einer gewissen Firmengröße oder einem gewissen Umsatz müssen sie die Anforderungen umsetzen.
Mein Barcamp Digitale Barrierefreiheit am Bodensee haben 2025 wunderbare Menschen von folgenden Einrichtungen erst möglich gemacht:

  • Cyberlago e. V.
  • Wirtschaftsförderung Bodenseekreis
  • RITZ Regionales Innovations- und Technologietransferzentrum
  • IWT Institut für Wirtschaft und Technik Friedrichshafen
  • Kontaktstelle Frau und Beruf Ravensburg Bodensee-Oberschwaben
  • Digital Media Women e. V. Bodensee-Oberschwaben
  • Barcamp Bodensee
Blick über den Hauptsaal während der Sessionplanung. Die Anwesenden tragen Namensschilder und hören der Sessionvorstellung zu.
Fotograf: Julian Pawlowski, otica

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken: Durch euch wurden beim Barcamp alle herzlich in Empfang genommen.
Durch euch hatten wir im RITZ ein wunderbares Veranstaltungshaus.
Durch euch hatte jeder Raum eine kompetente Betreuung und die Referent*innen konnte sich ganz auf ihren Beitrag konzentrieren.
Durch euch konnten wir kompetent Tickets verkaufen.
Durch eure Erfahrung bin ich nicht verrückt geworden, als der Ticketverkauf am Anfang nur schleppend verlief.
Durch euch hatten wir ein tolles Logo und super Social Media Vorlagen.

Nicht vergessen möchte ich auch unsere tollen Sponsoren, die die Idee mitgetragen haben, dass wir digitale Barrierefreiheit nur erreichen, wenn wir als Menschen miteinander in den Austausch kommen.
Vielen Dank an SUMM AI, Textöffner, axes4, ALPENBLICKDREI und mindscreen.

Was ist ein Barcamp Digitale Barrierefreiheit überhaupt?

Ein Barcamp ist eine Konferenz ohne geladene Vortragsredner*innen. Alle Personen, die am Barcamp teilnehmen, können selbst einen Beitrag zum Barcamp leisten. Man sagt, sie bieten eine Session an. Eine Session kann alles Mögliche sein: Ein Vortrag, ein Workshop, eine Wanderung, eine Meditation, eine Diskussion, …
Mehrere Sessions finden zeitgleich statt. Als teilnehmende Person hat man so leider immer die Qual der Wahl. Man kann nicht an allen Angeboten teilnehmen.
Am Morgen wird gemeinsam mit allen das Tagesprogramm festgelegt. Jeder Sessiongeber stellt vor allen Teilnehmenden seine Session vor. Danach wird gefragt, wer Interesse an der Session hat. Je nach Interesse erhält die Session einen großen oder kleinen Raum. Interessieren sich nur wenige für das Angebot, kann das Thema trotzdem stattfinden: Die Gruppe tauscht sich in der Kaffee-Ecke oder im Sommer am Tisch unterm Sonnenschirm aus.
Wenn dein Thema dir wichtig ist, dann findet es statt!
Finden sich genügend Leute zu einem Thema, wird ein entsprechend großer Raum vergeben. So füllt sich der Tagesplan bis alle Räume und Zeitslots belegt sind.
Jede Session ist zeitlich auf 45 Minuten begrenzt.

Du hast dich für eine Session entschieden und das Thema ist dann doch nichts für dich?
Dann wechsele den Raum und mach bei einer anderen Session mit. Das Barcamp ist hier ein absolut offenes Format.

Während einer Session haben sich die Teilnehmenden in Kleingruppen aufgeteilt und diskutieren.
Fotograf: Julian Pawlowski, otica

Hier noch einmal das Wichtigste auf einen Blick:

  • Es gibt keine geladenen Vortragenden. Alle Gäste können eine Session anbieten.
  • Alle Teilnehmenden sind gleich wichtig. Wir duzen uns alle.
  • Das Tagesprogramm gestaltet sich erst am Morgen des Barcamps gemeinsam mit allen Teilnehmenden.
  • Eine Session dauert 45 Minuten. Mehrere Sessions finden zeitgleich statt.
  • In deinem Ticketpreis ist die komplette Verpflegung für den Tag enthalten. Dir soll es einfach gut gehen. Du kannst dich voll darauf konzentrieren Neues zu lernen und spannende Menschen kennenzulernen.
  • Am Ende des Barcamps wirst du immer traurig sein, dass es schon vorbei ist.

Wie barrierefrei war das Barcamp Digitale Barrierefreiheit 2025?

Beim Barcamp Digitale Barrierefreiheit wollten wir natürlich auch das Barcamp selbst möglichst barrierefrei gestalten.

Begehung vor Ort
Wir haben Oliver Straub als Mobilitätsexperten beauftragt, die Räumlichkeiten mit uns anzusehen. Er hat uns wertvolle Tipps gegeben, worauf wir bei der Bestuhlung und Beschilderung achten müssen.

Gespräche mit dem Blindenwerk
Ich habe mit dem Blindenwerk gesprochen, auf was wir neben der Beschilderung noch achten müssen. Das Blindenwerk hat uns auch darauf aufmerksam gemacht, dass auch das Essen möglichst barrierefrei durchdacht sein sollte. Tropfende Speisen wären eher ungeschickt, wenn das Barcamp doch eher eine Business-Kontext hat.
Wir haben verschiedene Möglichkeiten probiert, eine Audiounterstützung anbieten zu können. Leider war es uns nicht möglich, im weiten Umkreis eine FM-Anlage leihweise aufzutreiben. Wir haben daher versucht, über die App LiveVoice eine Tonspur anzubieten, die zusätzliche Infos zum Gesprochenen anbietet.
Was wir aber ganz ehrlich sagen müssen: Uns hat bei unserem ersten Barcamp die Erfahrung gefehlt, eine richtig gute Audiospur mit Zusatzinformationen anzubieten. Hier können wir noch deutlich nachlegen. Wir waren mit unseren Texten zu langsam und haben es nicht geschafft, nur Sprechpausen zu füllen.

Tagesplanung in HTML-Format
In der Regel wird die Tagesplanung über ein Sessionboard erstellt. Das ist oft eine Pinnwand. Da diese aber nicht barrierefrei ist, haben wir alle Sessions auf einer HTML-Seite für alle zugänglich gemacht. Diese wurde vorab auf Barrierefreiheit von Marc Haunschild geprüft, bevor wir sie am Barcamp-Tag mit Inhalten gefüllt haben. So konnte der Tagesplan von allen Teilnehmenden digital abgerufen werden.

Essensangebote für alle
Beim Essensangebot haben wir Wert daraufgelegt, dass die Speisen nicht kleckern und gut mit einer Hand zu essen sind. Des Weiteren war es uns wichtig, dass wir möglichst für alle ein Essen anbieten können. Es gab daher sowohl glutenfreie wie auch vegane Angebote. Und ich werde noch heute auf unser tolles Essen beim Barcamp angesprochen. Liebe geht eben über den Magen!

Alle Sessions sind auf dem Sessionboard eingeteilt (Magnetwand). Das Sessionboard ist zusätzlich digital als HTML-Seite über einen QR-Code abrufbar.
Fotograf: Julian Pawlowski, otica

Gebärdensprache beim Barcamp
Ich habe mich auch sehr bemüht, dass das Thema Gebärdensprache durch Betroffene vertreten wird. Leider ist das Thema komplexer als man vielleicht zunächst denkt. Ein kleiner Rückblick:
Die Community der Gebärdensprache-Sprechenden wünscht sich in ihrer Sprache zum Barcamp eingeladen zu werden. Da niemand im Orga-Team Gebärdensprache spricht ist die Frage, wie wir Einladungsvideos drehen sollen.
Aus der Community bekommen wir die Rückmeldung, dass der Tag des Barcamps (ein Freitag) denkbar ungeschickt ist. Die meisten müssten an dem Tag arbeiten. Sie können daher nicht an einer Konferenz zur Barrierefreiheit teilnehmen. Sollte die Konferenz an einem Wochenende stattfinden, wäre das eher machbar.

Für die Konferenz benötigen wir mindestens zwei Gebärdensprachedolmetscher*innen. Diese könnten in einem Raum dolmetschen. Das würde aber auch bedeuten, dass alle Gehörlosen nicht die freie Wahl der Sessions haben. Sie müssten sich gemeinsam auf einen Raum einigen und die Dolmetscherinnen könnten dann dort übersetzen. Da wir mindestens 3 Räume hatten, bräuchten wir also 6 Dolmetschende, damit Gehörlose genauso frei ihre Session wählen können wie alle anderen Teilnehmenden auch. Eine Dolmetscherin kostet rund 1.000 Euro pro Tag. Je nach Anfahrtsstrecke sogar noch mehr. Wir hatten rund 80 Teilnehmende. Damit hätten 75 Euro pro Ticket allein die Dolmetscher*innen gekostet.
Wir haben den Ticketpreis allerdings auf 59 Euro mit Hilfe der Sponsoren beschränkt. Das Ticket sollte so günstig wie möglich sein, damit möglichst viele an dem Barcamp teilnehmen können. Durch die Sponsoren konnten wir auch vergünstigte Ticketpreise für Studierende anbieten.
Um die Dolmetschenden doch zu ermöglichen, haben wir uns um Fördergelder bemüht, auch bei Stiftungen für Menschen mit Hörschädigung, sind aber immer abgewiesen worden. Ein Grund ist beispielsweise, dass wir kein gemeinnütziger Verein sind.

Ich habe mich bei all diesen Schwierigkeiten daher wirklich sehr gefreut, dass mit Judit Nothdurft das Thema Gehörlosigkeit und Gebärdensprache am Barcamp stattfinden konnte. Grundsätzlich ist damit die Teilnahme von Gehörlosen an Netzwerkveranstaltungen für mich nicht befriedigend geklärt. Ich persönlich hoffe, dass es durch KI in Zukunft Lösungen geben wird, die einen Austausch in allen Sprachen ermöglicht.

Ruheraum
Um auch neurodivergenten Personen Rückzugsmöglichkeiten zu geben, haben wir einen Ruheraum zur Verfügung gestellt. Zusätzlich waren im großen Saal Randplätze speziell für Menschen ausgewiesen, die weniger Informationsflut wünschen.

Weitere Bedürfnisse haben wir beim Ticketkauf abgefragt.

Wunsch nach Austausch
Ich bin mir durchaus bewusst, dass wir nicht auf alle Bedürfnisse eingehen konnten.
Es war für uns ein Abwägen, was für uns realisierbar und bezahlbar war.
Grundsätzlich bin ich immer offen für Austausch und gute Ideen.

Was ich nicht schätze sind Bemerkungen von Personen, die nicht am Barcamp teilgenommen haben, die das Barcamp nicht mitorganisiert haben und die sich im Anschluss die Fotos angeschaut haben und dann feststellten: „Es waren ja gar keine Behinderten da.“
Viele Menschen haben unsichtbare Behinderungen. Kein Mensch muss ein sichtbares Zeichen tragen, nur damit seine Behinderung für andere sichtbar ist.

Ich freue mich sehr, dass es 2026 ein weiteres Barcamp Digitale Barrierefreiheit in Tübingen geben wird. Auch dieses Barcamp möchten wir so barrierefrei wie möglich gestalten.
Dies schaffen wir aber nicht alleine. Wenn du kommen möchtest und Unterstützung brauchst, dann melde dich bei uns. Barrierefreiheit schaffen wir nur durch Gespräche und durch ein gemeinsames Suchen nach Lösungen.

Am 26. Juni 2026 barcampen wir wieder

Am 26. Juni 2026 findet das 2. Barcamp Digitale Barrierefreiheit statt. Dieses Jahr findet es in der Westspitze in Tübingen statt. Organisiert wird es dieses Jahr von axes4, TWINCUBES, Textöffner und mir.
Das Barcamp findet am deutschlandweiten Digitaltag statt. Die Initiative steht für digitale Teilhabe für alle. Und genau dafür stehen wir auch. Wir wünschen uns, dass Menschen mit und ohne Behinderung, jung oder alt an digitalen Angeboten teilhaben kann.
Das wird uns nur gelingen, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen. Und zwar nicht nur Betroffene mit Experten, sondern auch Betroffene mit anderen Betroffenen und Experten mit anderen Expertinnen.
Denn wie oft sehen wir in unserer eigenen Blase nicht die Bedürfnisse der anderen? Bei meiner Textarbeit stelle ich oft fest, dass ich Ideen für einen Text habe, aber leider nicht mit dem Webdesigner sprechen kann. Wie gut könnte die Webseite erst werden, wenn wir uns austauschen? Wie gut wäre sie, wenn Text und Design auf einander abgestimmt wären?
Wie gut wäre ein Schild, wenn es nicht nur kontrastreich wäre, sondern auch einer Höhe hinge, in der es vom Rollstuhl aus auch gut zu lesen wäre? Wir stecken alle in unserer eigenen kleinen Welt und ein Barcamp bietet die perfekte Gelegenheit ganz einfach mit einem neuen Freund ins Gespräch zu kommen und seine Welt kennenzulernen.

Sponsoren gesucht
Wer davon überzeugt ist, dass wir gemeinsam die Welt ein Stück besser für alle machen, der ist herzlich eingeladen, Sponsor von unserem Barcamp zu werden. Denn wir suchen genau dich als unseren Sponsor/unsere Sponsorin!

Ein Sponsoring ist ab 250 Euro (für Soloselbständige) möglich. Für Unternehmen bieten wir Silber- und Goldsponsoring ab 1.000 Euro an. Es wird nur 4 Goldsponsoren geben. Schnell sein lohnt sich also. Wenn du mehr über unsere Sponsormöglichkeiten wissen willst, schreib mich gerne an und ich schicke dir unsere Pakete zu.

Hier noch einmal die wichtigsten Daten zum Barcamp:

Wann? Am 26. Juni 2026
Wo? Westspitze Tübingen
Uhrzeit? Von 9 bis 17 Uhr, anschließend Chill-Out auf der Dachterrasse

Katrin steht hinter einem Stück Mauer. Ihre Arme hat sie auf der Mauer verschränkt. Sie trägt eine dunkelblaue Bluse mit Stehkragen. Sie lacht. Ihr Blick geht seitlich nach oben.

Katrin Nägele

Katrin Nägele ist Übersetzerin für Einfache und Leichte Sprache. Zusammen mit ihrem Team setzt sie sich für gut verständliche Texte am Bodensee ein.

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